FCS mit Pokal-Euphorie in die 3. Liga? Stadionproblem droht

20 Schützen mussten antreten, ehe es im Elfmeter-Krimi im Viertelfinale des DFB-Pokals zwischen dem 1. FC Saarbrücken und Fortuna Düsseldorf einen Sieger gab – und der FCS als erster Viertligist der Pokal-Geschichte im Halbfinale stand. Mit Euphorie im Rücken wollen die Saarländer nun nicht nur ins Endspiel nach Berlin, sondern nach sechs Jahren Abstinenz in die 3. Liga zurückkehren. 

"Absolut surreal"

Der Held des 1. FC Saarbrücken an diesem denkwürdigen und historischen Dienstagabend war schnell gefunden: Torhüter Daniel Batz. Nachdem der 29-Jährige schon in der regulären Spielzeit einen Elfmeter parierte, wehrte er im Elfmeterschießen noch vier (!) weitere Schüsse aus elf Metern ab – und versetzte die 6.800 Zuschauer im ausverkauften Herrmann-Neuberger-Stadion in Völklingen in völlige Extase. "Es ist absolut surreal, das war unfassbar. Wenn mein Finger nicht so wehtun würde, dann würde ich sagen, dass ich in einer Traumwelt lebe", konnte Batz sein Glück am "Sky"-Mikrofon kaum fassen. "Langsam fehlen einem die Superlative. Wir sind unter den besten Vier in Deutschland – und das als erster Viertligist. Ich kann mich spontan an kein besseres Spiel in meiner Karriere erinnern."

Auch Trainer Lukas Kwasniok war völlig aus dem Häuschen: "Das Drehbuch war offensichtlich so bestimmt. Wir werden jetzt so viel trinken, dass wir nicht wissen werden, wie der Tag morgen heißt." Nach dem Coup gegen Düsseldorf ist der FCS als Viertligist nur noch einen (!) Sieg vom Finale in Berlin entfernt. Ausgelost wird das Halbfinale am Sonntag ab 18 Uhr in der ARD-Sportschau. Ein Heimspiel haben die Saarländer bereits sicher. Doch allzu lange sollen die Feierlichkeiten nach dem historischen Erfolg nicht dauern. Denn so schön das Pokalmärchen auch ist: Ab der kommenden Saison wollen die Saarländer nach sechsjähriger Abstinenz wieder in der 3. Liga spielen.

Drittliga-Kader und Millionen-Prämien

Mit 55 Punkten aus 22 Spielen liegt der 1. FC Saarbrücken derzeit voll aus Kurs, ist Tabellenführer der Regionalliga Südwest und hat sechs Punkte Vorsprung auf den Zweiten aus Elversberg. Seit dem Abstieg aus der 3. Liga im Jahr 2014 spielte der FCS regelmäßig oben mit, scheiterte aber immer knapp. Zweimal nahmen die Saarländer sogar an den Aufstiegsspielen zur 3. Liga teil, unterlagen 2015 jedoch den Würzburger Kickers und vor zwei Jahren dem TSV 1860 München. Nun scheint der Weg frei, zumal der Meister wie schon in der letzten Saison direkt aufsteigt. Schon jetzt verfügt der 1. FC Saarbrücken mit Spielern wie Christopher Schorch, Fanol Perdedaj, Manuel Zeitz, Tobias Jänicke und 17-Tore-Mann Sebastian Jacob über einen Drittliga-Kader.

Und auch finanziell sind die Saarländer der Konkurrenz im Südwesten um einiges voraus – nicht zuletzt aufgrund der Pokal-Erfolge. Allein für den Einzug ins Halbfinale kassiert der FCS satte 2,8 Millionen Euro – zusätzlich zu den knapp 2,6 Millionen Euro, die Saarbrücken bereits zuvor aus den Vermarktungserlösen kassiert hatte. Macht in Summe rund 5,4 Millionen Euro. Enorm viel Geld für einen Viertligisten, das zu einem nicht unwesentlichen Anteil auch in den Kader der kommenden Saison fließen dürfte.

Stadionproblem im Sommer?

Das einzige, was noch fehlt, ist neben dem Aufstieg die Rückkehr in den heimischen Ludwigspark. Seit 2016 wird das Stadion umgebaut, die Kosten sind auch aufgrund einiger Fehlplanungen von 16 auf 46,5 Millionen Euro explodiert. Doch ob das Stadion rechtzeitig bis zum Saisonstart Mitte Juli fertig wird, ist noch offen. Falls nicht, stünde der FCS ohne geeignetes Stadion da. Momentan gibt es im Saarland keine Spielstätte, die die Drittliga-Anforderungen von 10.001 Plätzen erfüllen könnte. Derzeit trägt der Klub seine Heimspiele in Völklingen aus, was im Aufstiegsfall aber keine Option mehr wäre. Denn da das Stadion zu klein ist, müssten die Saarbrücker investieren.

Gegenüber dem "Saarländischen Rundfunk" erklärt Stadionbeauftragter Christian Seifert daher: "Es macht keinen Sinn, dort viel Geld für ein paar Monate zu investieren." Da der DFB einen Umzug ins benachbarte Frankreich nicht erlaubt, bleiben wohl nur zwei Optionen. Möglichkeit eins wäre ein Umzug in die PSD Bank Arena des FSV Frankfurt – diese Alternative haben die Verantwortlichen derzeit im Blick. Zwar ist die Spielstätte des früheren Zweit- und Drittligisten fast 200 Kilometer von Saarbrücken entfernt und liegt zudem in einem anderen Bundesland, doch räumliche nähere Stadien wie in Elversberg, Mannheim und Kaiserslautern kommen aus unterschiedlichen Gründen nicht infrage. 

Möglichkeit zwei wäre, dass der FCS vorerst auf einer Baustelle im Ludwigsparkstadion spielt. Der Rohbau der Tribünen ist immerhin schon abgeschlossen, auch das Dach ist bereits zu Teilen montiert. Und während die Bauarbeiten mit Hochdruck laufen, feiert die Mannschaft einen historischen Erfolg. Zumindest bis Donnerstag. Dann wird es im Training wieder ernst, schließlich soll die ersehnte Rückkehr in die 3. Liga in dieser Saison endlich gelingen. Im Regionalliga-Alltag trifft Saarbrücken am Samstag auf den FC-Astoria Walldorf.

   

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