Das Schork-Aus beim Waldhof: Die Fußstapfen waren zu groß

Nach viereinhalb Jahren ist Tim Schork beim SV Waldhof Mannheim seit Mittwoch Geschichte. 26 Monate lang verantwortete der frühere Chefscout als Sport-Geschäftsführer die Kaderplanung beim SVW, stieß dabei aber an Grenzen. Die Fußstapfen seines Vorgängers Jochen Kientz waren letztlich zu groß. Ein Kommentar.
Vorschusslorbeeren nicht gerecht geworden
Als sich der Waldhof im Oktober 2021 von Sportchef Jochen Kientz getrennt hatte, setzten die Kurpfälzer bei der Suche nach einem Nachfolger auf eine interne Lösung – und beförderten kurzerhand Chefscout Tim Schork, der zudem direkt in die Geschäftsführung aufstieg. Er habe mit einer "detaillierten Kaderanalyse" überzeugt, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Christian Beetz damals und bezeichnete den 33-Jährigen als "absoluten Fachmann". Auch Geschäftsführer Markus Kompp, der seit Anfang Februar selbst Geschichte ist, bescheinigte Schork eine "hohe Fachkompetenz". Große Vorschusslorbeeren, denen Schork in seinen zwei Jahren als Sportchef jedoch nicht gerecht werden konnte.
Am deutlichsten zeigt sich das an der Tatsache, dass die Buwe in dieser Zeit von einem Auf- zu einem Abstiegskandidaten geworden sind. Natürlich trägt Schork nicht die alleinige Verantwortung für den Absturz in den letzten Monaten, dennoch ist nicht von der Hand zu weisen, dass eine alles andere als optimale Kaderplanung maßgeblich dazu beigetragen hat. Schon seit längerer Zeit fehlt den Mannheimern etwa ein kopfballstarker Innenverteidiger, auch in der Winterpause wurde diesbezüglich nicht nachgebessert.
Waldhof braucht Mann mit Erfahrung
Darüber hinaus war es Schork im vergangenen Sommer nicht gelungen, die abgewanderten Dominik Martinovic, Marten Winkler, Dominik Kother und Alexander Rossipal adäquat zu ersetzen, zudem fehlt es nach den Abgängen von Marco Höger und Marc Schnatterer an Führungsspielern. Bei gleich mehreren Verpflichtungen – oft wurde Mannheim erst spät tätig – lag Schork daneben, Angelo Gattermayer etwa kam nur einmal zum Einsatz und wurde in der Winterpause verliehen. Erst im Winter gelang dem 33-Jährigen mit dem Transfer von Terrence Boyd ein Coup. Bei der Verpflichtung von Trainer Marco Antwerpen soll Schork laut der "Rhein-Neckar-Zeitung" allerdings außen vor gewesen sein, was einer Entmachtung gleichkam.
Am Ende muss festgehalten werden, dass die Fußstapfen seines Vorgängers Jochen Kientz schlicht zu groß waren und dass ein Chefscout nicht unbedingt auch das Zeug zum Sport-Geschäftsführer hat. Der Waldhof täte nach dem Schork-Fiasko nun gut daran, einen Mann mit Erfahrung und Expertise für diese wichtige Erfahrung zu verpflichten. Und das möglichst schnell, schließlich laufen die Planungen für die kommende Saison bereits auf Hochtouren. Dass zweitgleisig geplant werden muss, macht das Unterfangen nicht leichter. Klar ist bereits: Im Sommer wird es zu einem personellen Umbruch kommen müssen – auch bei Klassenerhalt. Denn dass der aktuelle Kader in vielen Bereichen aufgrund einiger Fehlplanungen nicht über die nötige Qualität für die 3. Liga verfügt, wurde in den letzten Monaten mehr als deutlich.