Dynamo-Sportchef Becker: "Dem Verein geht es nicht gut"

Sportlich steht Dynamo Dresden als Tabellenführer mit zehn Punkten Vorsprung auf Rang vier blendend da, finanziell ist die Lage durch die Corona-Pandemie jedoch angespannt.

"Hoher siebenstelliger" Verlust

"Dem Verein geht es nicht gut", sagt Sportchef Ralf Becker in einem Interview mit der "Sächsischen Zeitung" und erklärt: "Fast ein komplettes Jahr ohne Zuschauer spielen zu müssen, ist nicht leicht zu verkraften." Pro Geisterspiel macht Dynamo einen Verlust von 300.000 Euro. Und da abgesehen von drei Spielen zu Saisonbeginn mit insgesamt knapp 22.000 Zuschauern bislang keine Fans ins Stadion durften, rechnet Becker mit einem "hohen siebenstelligen" Minusbetrag bis zum Ende der Saison. Damit hätten die Sachsen große Teile ihres Eigenkapitals in Höhe von rund zehn Millionen Euro aufgebraucht.

Um die Verluste etwas abzufedern, hatte Dynamo für die Zeit, als Spieler in Quarantäne mussten, – wie mehrere andere Profiklubs – staatliche Hilfen beantragt und diese auch erhalten. "Wir sind froh, dass wir weiterarbeiten können, müssen uns aber durch die schwierige Situation kämpfen. Dazu gehört die Inanspruchnahme solcher Hilfen", erklärt Becker. Die Corona-Auswirkungen werde man im Sommer auch auf dem Transfermarkt spüren, prognostiziert der 50-Jährige: "Insgesamt gehe ich fest davon aus, dass sich die Ablösesummen und Gehälter anpassen werden – nach unten. Das Niveau war vor Corona wahnsinnig hoch, und es muss auch nicht gleich von heute auf morgen sinken. Aber es wird einen schleichenden Prozess geben."

Kein Umbruch bei Aufstieg

Bei Dynamo würde sich im Aufstiegsfall derweil nicht viel am Kader ändern, "weil sehr viele Spieler dann weiterhin gültige Verträge haben", so Becker. "Wir hatten im Sommer eine fast komplett neue und sehr junge Mannschaft zusammengestellt und den Neuzugängen längerfristige Verträge gegeben. Sie sollen sich bei uns entwickeln. Das heißt, dem Großteil von ihnen würden wir auch in der 2. Bundesliga das Vertrauen schenken, weil wir von ihnen total überzeugt sind." Nur punktuell soll etwas passieren.

In Sachen Verlängerung mit Trainer Markus Kauczinski gibt es derweil noch keine Neuigkeiten: "Wenn wir aufgestiegen sind, dann würden wir gerne in dieser Konstellation weiterarbeiten", wiederholt Becker. "Ich denke, dass Markus (…) weiß, was er an Dynamo hat. Wir sind alle sehr zufrieden, wie es gerade läuft, und haben ein gemeinsames Ziel, das wir unbedingt erreichen wollen." Einen weiteren Schritt in Richtung 2. Bundesliga kann Dynamo am Sonntag im Topspiel gegen Rostock machen. "Wir haben das klare Ziel, diese Partie zu gewinnen", sagt Dresdens Sportchef, ist aber darum bemüht, den Druck rauszunehmen: "Auch am Sonntag wird noch keine Entscheidung fallen – egal, wie es ausgeht." Klar ist: Ein Aufstieg wäre nicht nur aus sportlicher, sondern vor allem auch aus finanzieller Sicht ein Segen für die Sachsen.

   

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