Kommentar: Jetzt holt Euch den Pott, Arminia!

Es ist nicht zu glauben, aber tatsächlich wahr! Arminia Bielefeld steht im DFB-Pokal-Finale! Als Drittligist! Jetzt holt Euch den Pott, Arminia! Ein Kommentar.
Schlicht bemerkenswert
Wahnsinn! Unglaublich! Sensation! Es gibt viele Möglichkeiten, das Pokal-Wunder von Arminia Bielefeld zu umschreiben. Allein: Worte allein reichen nicht, um zu erklären, was da am Dienstabend in der Schüco-Arena passiert ist. Selbst der sonst so nüchterne Mitch Kniat sprach im Nachgang von einer "Sensation". Zumal die Arminia das erste Team in der Pokal-Historie ist, das als unterklassiger Verein vier Erstligisten in einer Saison ausgeschaltet hat. Bis tief in die Nacht wurde in der Stadt und im Café Europa gefeiert, zwischenzeitlich musste gar der Einlass gestoppt werden. Auch in der Innenstadt war es zu Sperrungen gekommen. Überfall feierten die Fans, sangen von Berlin und fuhren hupend durch die Stadt.
Dass der Sieg gegen Bayer Leverkusen hochverdient war, darüber gibt es überhaupt keine Zweifel. Zwar erwischte der Titelverteidiger einen schwachen Tag, erlaubte sich ungewohnte Fehlpässe und Ungenauigkeiten, doch die Leidenschaft, mit der Arminia selbst nach dem Rückstand auftrat, war schlicht bemerkenswert. Es lag auch am starken Pressing der Bielefelder, dass Leverkusen nicht in sein Spiel fand. Die Arminia zwang den Doublesieger regelrecht zu Fehlern – und das als Drittligist! Selbst nach Ecken der Werkself waren die Bielefelder blitzschnell wieder hinter dem Ball und verhinderten damit, dass Bayer einen Konter fahren konnte. Teilweise ließen sich die hochdekorierten Stars vom Rhein regelrecht herspielen.
Pokalsieg wäre der absolut verdiente Lohn
Kniat hatte im Vorfeld davon gesprochen, dass sein Team gefühlt mit 12 oder 13 Spielern agieren werde. Und so kam es in der Tat auch. Mit einer beeindruckenden Laufstärke rang Bielefeld den haushohen Favoriten in einer Art und Weise nieder, wie es kaum für möglich gehalten worden war. "Wir haben nichts an uns rangelassen und sind mit Lockerheit aufgetreten", erklärte der Arminia-Coach das Erfolgsrezept. Dass Bayer individuell deutlich besser besetzt ist und laut "transfermarkt.de" über einen um 80 Mal höheren Kadermarktwert verfügt (644 Millionen zu 8,2 Millionen Euro), kam überhaupt nicht zur Geltung, auch ein Zwei-Klassen-Unterschied war nicht zu sehen.
Egal, ob nun der VfB Stuttgart oder RB Leipzig im Finale am 24. Mai wartet: Jetzt holt Euch das Ding, Arminia, und werdet damit der erste Drittligist, der den Pokal gewinnt. Es wäre der absolut verdiente Lohn für eine märchenhafte Pokalreise. Wer erst Hannover, dann Union, Freiburg, Bremen und schließlich Leverkusen besiegt, muss am Ende auch den Pott in den Händen halten dürfen. Zwar wird für den DSC mit dem Endspiel in Berlin erstmals ein Auswärtsspiel anstehen, allerdings werden rund 25.000 Fans mitreisen. Damit werden sogar – wenn man die jeweils 3.000 Gästefans abzieht – mehr Anhänger dabei sein als bei den Heimspielen. "Wir werden mit ganz Bielefeld anreisen. Ich bin gespannt, ob es so viele Hotelzimmer gibt", grinste Kniat, bevor er in die lange Partynacht ging.