Saisonprognose #4: Sandhausen, Essen, Aue, Saarbrücken

Am 2. August startet die 3. Liga in ihre 17. Saison. Wer sind die Aufstiegskandidaten, wer muss um den Klassenerhalt bangen? Wer könnte die nächste Überraschungsmannschaft werden, wer die nächste Enttäuschung? In fünf Teilen nimmt liga3-online.de alle Teams unter die Lupe. Im vierten Teil beschäftigen wir uns mit den Fast-Aufsteigern der Vorsaison: SV Sandhausen, Rot-Weiss Essen, Erzgebirge Aue und 1.FC Saarbrücken.

Ausgangslage: Der direkte Wiederaufstieg sollte es sein – daraus machten die Verantwortlichen keinen Hehl und stellten einen entsprechend prominenten Kader auf die Beine. Doch dieser konnte den Erwartungen nicht gerecht werden. Am Ende stand ein enttäuschender achter Platz zu Buche, und Trainer Jens Keller stellte sein Amt zur Verfügung. Allerdings hält sich der SVS nicht groß mit Wunden lecken auf, sondern rüstet sich vielmehr für einen neuen Anlauf. Bei der Trainerwahl entschied sich Sportdirektor Matthias Imhof für einen alten Bekannten: Sreto Ristic, einst selbst Spieler am Hardtwald, soll Spieler und Umfeld mit seinem Auftreten mitreißen und den Verein nach Möglichkeit zurück in die 2. Liga führen.

Transfers: Um für dieses Ziel gerüstet zu sein, ließ sich der SVS auf dem Transfermarkt wahrlich nicht lumpen. Bis dato stehen elf Neuzugängen zwölf Abgänge gegenüber. Star-Spieler Dennis Diekmeier wechselte im Sommer die Seiten: Der Rechtsverteidiger beendet seine Profikarriere und wird künftig als Co-Trainer am Spielfeldrand stehen. Schmerzhaft sind in erster Linie nur die Abgänge von Max Geschwill und Livan Burcu, die es in die Bundesliga zieht. Geschwill wechselt zu Holstein Kiel, während es Burcu nach einer langen Transferposse über die Kündbarkeit seines möglicherweise unbefristeten Vertrages zu Union Berlin verschlägt. Von dort wurde er direkt an den 1. FC Magdeburg verliehen.

Geschwills Platz in der Innenverteidigung soll künftig Jakob Lewald einnehmen, der aus Dresden verpflichtet wurde. Mit Jeremias Lorch (Viktoria Köln) und Niklas Lang (1860 München) kamen noch zwei weitere drittligaerprobte Abwehrrecken, die dabei helfen sollen, die löchrige Abwehr (57 Gegentore) zu stabilisieren. Außerdem konnten Abräumer Marco Schikora (Erzgebirge Aue), Spielmacher Besar Halimi und Torjäger Dominic Baumann (beide Hallescher FC) von einem Wechsel in den Hardtwald überzeugt werden. Bei letzterem Duo dürfte Ex-HFC-Trainer Ristic seine Finger mit im Spiel gehabt haben. Darüber hinaus wurde der Kader mit einigen interessanten Talenten aus der Regionalliga aufgefüllt. Fest steht: Die Neuzugänge können sich mehr als sehen lassen.

Vorbereitung: Die Schwarz-Weißen haben eine astreine Weste vorzuweisen: In fünf Testspielen gab es fünf Siege. Auf zwei muntere Scheibenschießen gegen die unterklassigen Vereine TSF Dornhan (8:0) und FC Zuzenhausen (7:0) folgten ein 4:1 gegen Regionalligist Astoria Walldorf und ein 2:1 gegen den südafrikanischen Vertreter Mamelodi Sundowns. Am vergangenen Wochenende hieß es beim Test gegen den österreichischen Zweitligisten FC Liefering erneut 2:1 für Sandhausen. Am Freitag steht gegen einen noch nicht bekannten Gegner die Generalprobe an.

Prognose: Der SVS verfügt über einen der besten Kader der Liga. Zu starken Bestandsspielern wie Patrick Greil, Jonas Weik und David Otto gesellen sich einige Neuzugänge, die bereits bewiesen haben, dass sie in der 3. Liga den Unterschied ausmachen können. liga3-online.de glaubt, dass Neu-Trainer Ristic das vorhandene Potential besser ausschöpfen kann als seine Vorgänger und Sandhausen daher im Aufstiegskampf zu finden sein wird. Platz 2-5.

 

Ausgangslage: Beinahe hätte es in der abgelaufenen Saison für den großen Wurf gereicht. Rot-Weiss Essen mischte die Liga mit einer attraktiven Spielweise auf und durfte sich bis zum Schluss Hoffnungen auf den Relegationsplatz machen, den man schlussendlich knapp verpasste. Selbstverständlich würde RWE gerne an die starke Vorsaison anknüpfen und einen erneuten Anlauf in Richtung 2. Liga nehmen. Allerdings mussten die Rot-Weissen im Sommer einige Leistungsträger ziehen lassen. Gleichzeitig gestaltet sich die Suche nach passenden Nachfolgern bisher eher schwierig.

Transfers: Dass es Abwehrchef Felix Götze nach zwei Jahren in Essen in die 2. Liga, genauer gesagt zum SC Paderborn, ziehen würde, und dass Marvin Obuz nach seiner Leihe zum 1. FC Köln zurückgehen würde, damit war zu rechnen. Deutlich schmerzhafter sind daher die Abgänge von Vinko Sapina und Cedric Harenbrock, die es etwas überraschend zur Drittliga-Konkurrenz aus Dresden beziehungsweise Rostock verschlägt. Mit Sapina, für den Dynamo stolze 250.000 Euro in den Ruhrpott überweist, verliert RWE den personifizierten Bessermacher in der Mittelfeldzentrale.

Aufgefangen werden soll dieser Abgang von den beiden Youngstars Jimmy Kaparos (FC Schalke II) und Tom Moustier (Hannover 96 II). In der Innenverteidigung sollen Michael Schultz (Viktoria Köln) und Tobias Kraulich (Dynamo Dresden) im Verbund das Götze-Erbe antreten. Für die Außenbahnen zog Essen Ramien Safi (SV Rödinghausen), Robbie D’Haese (KV Oostende) und Dion Berisha (FC Bayern II) an Land, während für das Sturmzentrum nach wie vor nach passenden Kandidaten Ausschau gehalten wird.

Vorbereitung: Nein, der Offensiv-Motor ist noch nicht so richtig ins Laufen gekommen. Nach zwei Siegen gegen die unterklassige Stadtkonkurrenz Essen Schönebeck (5:0) und Schwarz-Weiß Essen (4:1) tat sich RWE, das in der Vorbereitung das neue 3-4-3 System einstudierte, gegen Hoffenheim II (0:0) und Gladbach II (1:1) offensiv sehr schwer. Die Generalprobe steigt am morgigen Freitag gegen Bayer Leverkusen.

Prognose: Der Aderlass war groß und die Neuzugänge müssen erst beweisen, dass sie in die Fußstapfen ihrer Vorgänger treten können. Aktuell deutet vieles darauf hin, dass Essen die starke Vorsaison nicht wiederholen kann und ins untere Mittelfeld abrutscht. Platz 10-14.

 

Ausgangslage: Man kann letztlich nur spekulieren, was für Aue in der vergangenen Saison möglich gewesen wäre, wenn der Kader etwas mehr Spielraum zugelassen hätte, um auf Ausfälle zu reagieren. Fakt ist: Der FCE schrammte trotz zahlreicher Verletzungssorgen nur um drei Punkte am Relegationsplatz vorbei. Insbesondere die Stammelf von Drittliga-Rekordtrainer Pavel Dotchev hinterließ einen richtig guten Eindruck. Die perfekte Ausgangslage, um nun den Kader für einen Angriff auf den Aufstieg die 2. Liga aufzurüsten? Könnte man meinen, doch im Erzgebirge predigt man Bescheidenheit. Entsprechend rückte Aue auch nicht von seiner Transferstrategie ab, in erster Linie Talente aus den U23-Mannschaften der Bundesligisten zu verpflichten.

Transfers: Da wären beispielsweise Abwehrtalent Tim Hoffmann (Hertha BSC II) oder Kreativspieler Mika Clausen (FC St. Pauli II). Ebenfalls für die Mittelfeldzentrale verpflichtet wurde Noah Fabisch, der beim HSV ausgebildet wurde und zuletzt sein Glück in Magdeburg versuchte, dort aber zu selten zum Einsatz kam. Große Hoffnungen ruhen auf Stürmer Ricky Bornschein. Der bullige Torjäger kommt von Greuther Fürth II und stellt die ersehnte Alternative zum verletzungsanfälligen Top-Stürmer Marcel Bär dar. Für die rechte Abwehrseite scouteten die Veilchen Pascal Fallmann (Rapid Wien, war zuletzt an Freiburg II verliehen) und Maxim Burghardt (Eintracht Trier).

Dieses Duo soll Tim Danhof ersetzen, den Aue an 1860 München abgeben musste. Der schwerwiegendste Abgang ist aber zweifellos der Verlust von Marco Schikora (SV Sandhausen), der in der Vergangenheit im defensiven Mittelfeld eine Schlüsselrolle einnahm. Hier spekulieren die Verantwortlichen auf einen internen Ersatz: Erik Majetschak wird zugetraut, in die Schikora-Rolle hineinzuwachsen. Mit Can Özkan (Arminia Bielefeld) wurde ein weiterer Abräumer geholt.

Vorbereitung: Den SV Münchenbernsdorf und den Oelsnitzer FC schoss Aue jeweils mit 12:0 ab, den nordirischen Vertreter Glenavon FC mit 5:0. Grundverschieden verliefen die Partien gegen die sächsischen Regionalligisten ZFC Meuselwitz und VFC Plauen: Während es gegen Ersteren eine 0:4-Klatsche hagelte, wurde Zweiterer mit 4:0 besiegt. Ein Achtungserfolg gelang gegen Borussia Dortmund, dem Aue ein 1:1 abknöpfte. Gegen Regionalligist Jena folgte dann aber wieder eine 1:3-Niederlage. Zum Abschluss der Vorbereitung steht das heiß diskutierte Testspiel gegen RB Leipzig auf dem Programm. Viele Fans fordern die Absage – bisher vergeblich.

Prognose: Das Gerüst der Vorsaison konnte bis auf zwei Spieler gehalten und um einige Talente aus der Regionalliga bereichert werden. Auf dem Papier kann dieser Kader zwar nicht mit den großen Fischen der 3. Liga mithalten, doch Drittliga-Experte Pavel Dotchev ist zuzutrauen, einmal mehr das Maximum aus dem Team herauszukitzeln und so manchen vermeintlichen Favoriten hinter sich zu lassen. Platz 3-7.

 

Ausgangslage: Selbstverständlich bleibt in erster Linie der überragende Auftritt im DFB-Pokal in Erinnerung an die vergangene Saison, wo der 1. FC Saarbrücken unter anderem Rekordmeister Bayern München ausschalten konnte und letztlich bis ins Halbfinale vordrang. Allerdings verspielte der FCS im Ligaalltag einen durchaus möglichen Aufstieg. Letztlich brachen die insgesamt 15 Unentschieden den Saarländern das Genick. Doch daran will man sich an der französischen Grenze nicht mehr weiter aufhängen, vielmehr bläst Saarbrücken erneut zum Angriff. Dank der über sechs Millionen Pokalprämie konnte Rüdiger Ziehl, der weiterhin in Personalunion als Trainer und Manager die Verantwortung trägt, den ohnehin schon starken Kader weiter verstärken.

Transfers: So konnte mit Phillip Menzel der langjährige Stammkeeper des österreichischen Bundesligisten Austria Klagenfurt verpflichtet werden – viel besser hätte der Ersatz für Tim Schreiber (Wechsel zu Dynamo Dresden) nicht ausfallen können. Ebenfalls aus Klagenfurt an die Saar wechselt Linksverteidiger Till Schumacher, dem das Erbe von Marcel Gaus (Karriereende) anvertraut wird. Und auch in der Innenverteidigung griff Saarbrücken in das oberste Regal: Der Ex-Rostocker Sven Sonnenberg wechselt von Eredivisie-Vertreter Heracles Almelo ins Saarland, wo er Lukas Boeder (Wechsel zu Dynamo Dresden) ersetzt. Für das Mittelfeldzentrum kam der bundesligaerfahrene Sebastian Vasiliadis (Hansa Rostock), für die offensive Außenbahn der langjährige Zweitliga-Spieler Maurice Multhaup (Eintracht Braunschweig). Vasiliadis soll zusammen mit Elijah Krahn (Hamburger SV II) FCS-Eigengewächs Luca Kerber ersetzen, den es in die Bundesliga zum 1. FC Heidenheim zieht.

Vorbereitung: Zum Auftakt feierte der FCS ein 6:0 gegen Saarlandligist SpVgg Quierschied. Anschließend musste sich die Ziehl-Elf Regionalligist Bahlinger SC geschlagen geben (0:1). Gegen Ligakonkurrent Stuttgart II rehabilitierten sich die Blau-Schwarzen mit einem 2:1-Sieg, ehe am vergangenen Wochenende ein 3:1 gegen Bundesliga-Absteiger Darmstadt 98 folgte. Zum Abschluss erwarten die Blau-Schwarzen am Samstag noch den luxemburgischen Erstligisten Swift Hesperange.

Prognose: Saarbrückens Kader hat es in sich: Der ohnehin bereits stark besetzte Ausgangskader wurde mit zahlreichen Krachern verstärkt. Damit hieven sich die Saarländer in die Position des Top-Favoriten. liga3-online.de glaubt: Dieses Jahr haben Ziehl & Co. nicht im Pokal, sondern in der Liga Grund zum Feiern. Platz 1-3.

 

 

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