Schenkers Steilvorlage #3: Trainerüberleben statt Beben

Nele Schenker, bekannt als Moderatorin bei "Telekom Sport", stellt in der Kolumne "Schenkers Steilvorlage" ihre Sicht zu den Geschehnissen in der 3. Liga dar. Heute: Ausgabe 3.

Ein bisschen Geduld ist eingekehrt

Es heißt wieder: Quo vadis Liga 3? Nach einem guten Viertel der Saison wird in der Länderspielpause geordnet und für gewöhnlich auch Trainer-geschmissen. Doch Spieltag Nummer 11, der an dem in der letzten Saison die meisten Coaches flogen, war diesmal ein sanfter. Die Liga nimmt sich Zeit und konzentriert sich lieber darauf Rekorde zu schreiben.

Tabula rasa war das Stichwort für gleich drei Vereine nach Durchgang Nummer 11 der letzten Spielzeit. Für Stephan Schmidt in Würzburg, Joe Enochs in Osnabrück und Stefan Krämer in Erfurt war Ende Gelände. Dem Trainerbeben folgt in diesem Jahr aber eher ein Trainerüberleben. Es trifft nur einen: Hendrik Pedersen muss bei Eintracht Braunschweig seinen Platz für André Schubert räumen. Eine Entscheidung, die schlichtweg einfach nicht mehr zu verhindern war. Lange – ach was sag ich – sehr lange und für manchen Fan viel zu lange hielt man am sympathischen Dänen fest. Auch die Trennung von Sascha Hildmann in Großaspach war kein Schnellschuss. Lotte darf in Sachen Trainerwechseln getrost ausgeklammert werden.

Unterm Strich stehen bisher drei Entlassungen – im letzten Jahr waren es bereits fünf. Es scheint also ein bisschen mehr Geduld eingekehrt zu sein. Ja, bei manch einem Verein fragt man sich sogar, wieso (zumindest öffentlich) noch keine Zweifel an der sportlichen Führung geäußert wurden. Dass sich Vertrauen auszahlen kann, beweisen unter anderem die Würzburger, die nach drei Niederlagen zu Saisonbeginn die Nerven nicht verloren haben und jetzt oben mitspielen. Auch in Kaiserslautern und in Karlsruhe hat man es den voreiligen Kritikern gezeigt – richtig so! Generell ist diese Entwicklung einfach nur positiv zu betrachten. Aber zugegeben dieser Anflug von Geduld ist ein zu junges Pflänzchen, um in Jubel zu verfallen. Denn es ist kein Geheimnis: Nur fünf der 20 Drittliga-Trainer sind länger als zwei Jahre im Amt und Pedersen wird nicht der Letzte sein, der in dieser Saison den Abflug machen muss.

Liga stellt mehrere Rekorde auf

Unterdessen schreibt die 3. Liga weiterhin Rekordzahlen. 900.903 Besucher nach dem 11.Spieltag, im Schnitt 8.342 und damit der beste Wert der Geschichte. Und sogar ein besserer Wert als in 20 ersten Ligen Europas wie zum Beispiel bei Vize-Weltmeister Kroatien, WM-Teilnehmer Schweden, Dänemark, Serbien, Island und auch Nachbar Österreich. Und wieso? Weil vor allem der Betze bebt und die Traditionsvereine Zuschauer liefern. Aber auch, weil die Liga ausgeglichener und dadurch spannender ist als zuvor. Zwischen dem ersten Abstiegsplatz und dem Relegationsplatz zur 2. Bundesliga liegen sieben Punkte – sprich nichts. Die Tabelle verschiebt sich ständig und wir stehen drauf.

Zurück zu unseren Trainern, die ein glückliches und historisches Händchen beweisen. 45 Jokertore so viele wie noch nie zu diesem Zeitpunkt. Ähnliche Bestmarken gibt’s übrigens auch in der und 2. Bundesliga. Bedeutet: Auch von der Bank kommt  eine Menge Spannung. In Wiesbaden mehr (sieben Jokertore) – in Meppen weniger (null Jokertore). Aber das ist dem neutralen Beobachter am Ende auch egal, Hauptsache es knallt.

Zumindest auf dem Platz und nicht an der Seitenlinie. Die Entschleunigung des Trainerkarussells kann uns auf dem Rekordritt der 3.Liga nur gut tun. Quo vadis Liga 3? Mehr als angenehm!

   

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